Vom Werk ins Interface: von der Dampfturbine zur UX für Fachsysteme
Bevor ich Interfaces gestaltet habe, habe ich Werkzeuge für Ingenieure gebaut, die keine Zeit hatten, Software zu lernen. Diese Jahre prägen bis heute, wie Beabstracto arbeitet.
Ausgangslage
2016 habe ich bei Siemens in Brasilien angefangen — nicht als Designer, sondern als Auszubildender im Projekt Formare mit der Fundação Siemens. Die Abschlussarbeit 2017 handelte von Photovoltaik-Modulen am Standort Jundiaí I. Es ging um Technik, um Messungen, um Dinge, die funktionieren müssen.
Danach kam das Praktikum im Industrial Engineering für Dampfturbinen. Eine Dampfturbine ist kein Produkt, das man in einem Sprint baut: Fertigung, Montage und Inbetriebnahme ziehen sich über Monate, und jeder Schritt hängt an Dokumenten, Routinen und Systemen, die andere Menschen vor Jahren aufgesetzt haben.

Was passiert ist
2019 stand unser Team im Halbfinale des Werner-von-Siemens-Preises — mit einem Projekt zu 3D-Druck in der Fertigung von Dampfturbinen. Was mir davon geblieben ist, war weniger die Technologie als die Erfahrung, eine Idee durch eine große Organisation zu tragen: Wer muss überzeugt werden, welche Prozesse stehen im Weg, was braucht ein Werk, um etwas Neues wirklich zu benutzen?

Bis 2021 war ich Application Engineer: technische Angebote für Dampfturbinengeneratoren, kleine Python-Werkzeuge für das Team, Automatisierung wiederkehrender SAP-Prozesse. Dort habe ich zum ersten Mal Software für Kolleg:innen gebaut, die keine Zeit hatten, Software zu lernen. Sie wollten ihre Arbeit erledigen.
Die Lektion war unbequem: Ein Werkzeug, das technisch korrekt ist, aber nicht in den Tagesablauf passt, wird umgangen. Nicht aus Bosheit — aus Notwendigkeit. Die Excel-Liste neben dem System entsteht nicht, weil Leute Excel lieben, sondern weil das System ihnen eine Antwort schuldig bleibt: Wo steht mein Vorgang, wer ist dran, wann ist die Frist?
2021 habe ich die Seite gewechselt: vom Engineering ins Produktdesign. izz.ai, dann DocuWare — Workflow-Designer und Enterprise-Konfiguration für eine ausgereifte B2B-Plattform —, Flexera, und heute die UX-Leitung für eine deutsche Plattform zur Quellensteuer-Erstattung, als externe UX-Beratung für den Hersteller.
Was wir daraus für Kunden machen
Beabstracto arbeitet nach drei Regeln, die alle aus dem Werk kommen.
- Prozess vor Bildschirm. Bevor wir ein Interface anfassen, wollen wir den Vorgang kennen: Eingang, Prüfung, Freigabe, Frist, Ausnahme. Das Interface ist die Konsequenz, nicht der Anfang.
- Fachsprache ernst nehmen. Ingenieur:innen, Steuerreferent:innen und Sachbearbeiter:innen haben Begriffe, die präzise sind. Wir übersetzen sie nicht in Marketing-Deutsch, wir bauen sie ins System.
- Einführung ist Teil des Designs. Ein System, das niemand annimmt, ist nicht fertig. Deshalb begleiten wir die Einführung — Key User, Schulung, Nacharbeit — statt beim Prototyp aufzuhören.
Der Satz, der das zusammenfasst, steht auf unserer Über-uns-Seite: Ich kenne technische Nutzer von innen, weil ich einer war.
Wenn sich das für Ihr Team konkret stellt, lohnt sich ein Erstgespräch. Wir schauen uns an, wo Sie heute stehen und was es braucht, damit das System trägt.
Erstgespräch vereinbarenHäufige Fragen
- Warum hilft ein Ingenieur-Hintergrund bei UX für Fachsysteme?
- Weil die Hürde in Fachsystemen selten das Visuelle ist, sondern der Prozess dahinter. Wer selbst in solchen Prozessen gearbeitet hat, erkennt schneller, wo ein System Status, Frist oder nächsten Schritt versteckt.
- Was heißt „Prozess vor Bildschirm“ konkret?
- Ist-Analyse und Beobachtung zuerst: Wir schauen zu, wie die Arbeit heute läuft, inklusive der Workarounds. Erst dann entstehen Konzept und Oberfläche.
- Begleitet Beabstracto auch die Einführung?
- Ja. Einführungsbegleitung ist eine eigene Leistung: Key-User-Konzept, Schulung und Feedbackschleifen nach dem Go-live.





