Sprechen wir






Industrie · Mobile Instandhaltungs-App (iOS/Android)
Für einen Anbieter, der seine App an viele Industriekunden verkauft, haben wir eine Offline-first-App für iOS und Android entworfen, mit der Techniker den Zustand elektronischer Komponenten in Sekunden erfassen und lesen. Ein token-basiertes Designsystem liefert dieselbe App unter vielen Industriemarken aus: Eine neue Marke ist eine Konfiguration, kein Redesign.

Ein Anbieter von Instandhaltungssoftware für Industrieanlagen wollte eine mobile App, mit der Techniker den Zustand elektronischer Komponenten — Lebenszyklus, Abkündigung, Nachfolger — direkt am Schaltschrank erfassen und lesen, und dieselbe App unter den Marken vieler Industriekunden verkaufen. Wir haben das Product-Design Ende zu Ende übernommen: Feldkontext, Informationsarchitektur, Hi-Fi-Flows für iOS und Android, ein token-basiertes Designsystem mit Figma-Modi pro Marke und den Handoff an das Engineering. Die App ist live und wird in Produktion von Herstellern aus Luftfahrt, Automotive, Stahl, Lebensmittel und Konsumgütern eingesetzt; eine neue Marke wird per Modus umgeschaltet statt neu gestaltet.
Wer HMI-, MES- oder Instandhaltungssoftware an viele Werke verkauft, kennt beide Probleme: Die Bedienung muss im schlechtesten Moment funktionieren, und das Produkt muss skalieren, ohne dass jede Kundenmarke ein eigenes Design bekommt. Dieser Case zeigt, wie beides zusammen gelöst wurde.
Die Projektzahlen stammen aus den Projektaufzeichnungen und der Designsystem-Dokumentation; die Marktzahl zum Stillstand ist eine externe Quelle und dient der Einordnung.
Projektaufzeichnungen
Designsystem-Dokumentation
Designsystem-Dokumentation
The True Cost of Downtime, Siemens (2024)
Was war die Ausgangslage? Ein Instandhaltungsteam, das im Feld nicht sehen kann, was in seinen Schaltschränken steckt — und ein Anbieter, der seine App an viele Werke unter deren eigener Marke verkaufen will.
In einer großen Industrieanlage kann ein einziges ausgefallenes elektronisches Bauteil eine ganze Linie stoppen. Wie teuer das wird, zeigt eine Branchenzahl: Ungeplanter Stillstand kostet die 500 größten Unternehmen der Welt schätzungsweise 1,4 Billionen US-Dollar pro Jahr, etwa 11 % ihres Umsatzes (Quelle: The True Cost of Downtime, Siemens, 2024). Trotzdem wissen viele Instandhaltungsteams nicht genau, welche Komponenten verbaut sind, wo sie sitzen, in welcher Lebenszyklusphase sie sich befinden und ob der Hersteller sie bald abkündigt.
Genau darum geht es beim Obsoleszenzmanagement nach EN 62402: Ein Bauteil gilt als obsolet, sobald der Hersteller es nicht mehr in der ursprünglichen Spezifikation liefert, obwohl die Anlage es weiterhin braucht — und wer das erst bei der Störung erfährt, hat kein Ersatzteilproblem, sondern ein Beschaffungsproblem. Für den Instandhalter heißt das: Jede Komponente hat ein Abkündigungsdatum, einen Status und idealerweise einen empfohlenen Nachfolger. Diese Informationen waren nicht an einem Ort, zu dem der Techniker vor Ort greifen konnte; es fehlte ein verlässlicher Platz, um eine Komponente zu erfassen und nachzuschlagen.
Die Persona ist der Instandhaltungstechniker im Werk. Sein kritischer Moment ist nicht die Demo im Besprechungsraum, sondern die Störung um drei Uhr nachts: Die Linie steht, er steht vor dem geöffneten Schaltschrank, hat die Hände mit Werkzeug belegt oder Handschuhe an, und das WLAN in der Halle ist schwach oder gar nicht vorhanden. In diesem Moment sucht er — statt zu reparieren.
Die zweite Seite der Ausgangslage ist das Geschäftsmodell des Anbieters. Die App sollte nicht für ein einzelnes Werk gebaut, sondern als ein Produkt an viele Industriekunden verkauft werden — jeweils unter deren eigener Marke, mit eigenen Farben und eigenem Logo. Jede Marke als eigene Design-Variante zu pflegen, hätte das Produkt mit jedem Neukunden teurer und langsamer gemacht.
Unsere Rolle umfasste das Product-Design Ende zu Ende: Research und Feldkontext, Informationsarchitektur, vollständige Hi-Fi-Flows für iOS und Android, das Designsystem samt Multi-Brand-Architektur und den Handoff an das Engineering des Anbieters. Der Case ist anonymisiert: keine Kunden-, Produkt- oder Markennamen; die Screens sind aus Vertraulichkeitsgründen unscharf dargestellt.

Was war das Problem? Eigentlich zwei, die sich gegenseitig verschärfen: Die Komponentengesundheit war im Feld unsichtbar, und das Produkt musste unter vielen Marken skalieren, ohne das Design zu forken.
Was verbaut ist, wo es sitzt, wie alt es ist und ob es abgekündigt wurde — all das war im Werk nicht auf einen Blick verfügbar. Die Folge: Bei einer Störung sucht das Team nach Informationen, statt die Reparatur anzugehen. Und ein Bauteil, dessen Abkündigung niemand kannte, ist im Ernstfall nicht nachbestellbar.
Hersteller, Artikelnummer, ERP-Nummer, Position im Schrank: Diese Daten von Hand ins Telefon zu tippen, dauert und produziert Fehler — erst recht mit Handschuhen, schlechtem Licht und einer stehenden Linie im Rücken.
Die Teams fanden nicht den richtigen Platz, um eine Komponente zu registrieren oder ihren Zustand zu lesen. Die Information lag verstreut und war nicht digitalisiert. Ohne eine Struktur, die zum Werk passt, landet jede Erfassung irgendwo — und ist beim nächsten Mal nicht auffindbar.
Hallen, Linien, Schaltschränke, Felder, Tausende Komponenten und ihre Abkündigungsdaten: Das Ganze auf einem Telefon scannbar zu machen, verlangt eine Informationsarchitektur, die dem physischen Rundgang entspricht — nicht der Tabellenstruktur der Datenbank.
In vielen Hallen ist der Empfang schwach oder nicht vorhanden. Eine App, die beim Speichern eine Verbindung braucht, ist für diesen Einsatz nicht brauchbar. Gleichzeitig muss der Techniker wissen, was gesichert ist und was noch nicht.
Dieselbe App sollte unter der Identität vieler Industriekunden verkauft werden. Das Design für jede Marke neu zu zeichnen oder die Codebasis zu forken, wäre nicht skalierbar gewesen — jede neue Marke hätte ein kleines Redesign bedeutet.
Wie sind wir vorgegangen? Jede wesentliche Entscheidung haben wir als Problem → Entscheidung → Warum festgehalten, damit Produktmanagement und Engineering nachvollziehen konnten, weshalb ein Screen so aussieht und nicht anders. Die Phasen: Feldkontext und Ist-Analyse, Informationsarchitektur, Erfassungs-Flow, Offline-Konzept, Lesen der Komponentengesundheit, Designsystem, plattformkorrekte Hi-Fi-Flows und Handoff.
Zuerst haben wir den Moment definiert, für den die App gebaut wird: die Störung um drei Uhr nachts, Techniker am Schaltschrank, Hände belegt, kein Netz. Dieses Bild wurde zum Prüfstein für jede Entscheidung — nicht die Demo im Konferenzraum. Daraus folgte das Grundprinzip: Wenn es bei stehender Linie und ohne WLAN funktioniert, funktioniert es überall.
Instandhalter denken räumlich, also folgt die Struktur der App dem Rundgang durch das Werk: Halle → Linie oder Maschine → Schaltschrank → Komponentengruppe (zum Beispiel eine Klemmenbox) → Feld (ein Platz im Schrank) → Komponente. Der Breadcrumb ist der Weg, den der Techniker physisch gegangen ist; jede Zeile in der Liste ist ein realer Ort, nicht ein abstrakter Ordner. Die primäre Aktion — hier erfassen, hier scannen — bleibt mit dem Daumen erreichbar.
Statt Teiledaten einzutippen, scannt der Techniker den QR-Code am Schaltschrank, dort wo er steht. Danach führt die App Foto für Foto durch die nötigen Ansichten — Typenschild, Außenansicht, Innenansicht, Detail —, damit unter Druck nichts vergessen wird. Ein großer Sucher und ein Auslöser mit einem Tap funktionieren auch mit Handschuhen; ein Live-Zähler zeigt, was schon erfasst ist, ohne die Kamera zu verlassen.
Alles wird lokal gespeichert und synchronisiert, sobald wieder eine Verbindung besteht. Damit der Techniker dem System vertraut, zeigt die App an jedem Ordner und jedem Foto, ob es gesichert ist oder noch wartet. Offline ist hier kein Feature, sondern die Grundannahme: Erfassen jetzt, dem Sync später vertrauen.
Die Detailseite beantwortet über dem Falz die einzigen zwei Fragen, die bei einer Störung zählen: Was ist das, und kann es bald ausfallen? Ein Lebenszyklus-Badge in Grün, Gelb oder Rot steht vor den technischen Daten. Darunter: Hersteller, Teile-, Artikel- und ERP-Nummern für die Bestellung, das Abkündigungsdatum und empfohlene Nachfolger mit Bestand und End-of-Life, dazu Handbuch und Datenblatt als Anhang — ohne die App zu verlassen. Die Startseite beantwortet schon vorher, was Aufmerksamkeit braucht: Anzahl registrierter und abgekündigter Teile ganz oben.
Die Antwort auf „ein Produkt, viele Marken“ war ein Designsystem in drei Ebenen: Primitive (Grauskala, Markenfarbtöne, Feedback-Farben), semantische Tokens (Surface, Background, Text, Border) und Komponenten (Buttons, Listenzeilen, Status-Badges), die ausschließlich an semantische Tokens binden. Die Markenschicht liegt als Figma Variables mit Modes darüber. Ein Modus-Wechsel kaskadiert durch alle Ebenen. Eine neue Marke onboarden heißt: einen Modus ergänzen, rund drei Markenfarben setzen, Logo tauschen — Tints, Zustände, Schatten und Typografie leiten sich ab. Die Grauskala bleibt über alle Marken stabil.
Wir haben vollständige Hi-Fi-Flows für iOS nach den Human Interface Guidelines und für Android nach Material Design geliefert — dieselbe Journey, jeweils plattformkorrekt umgesetzt. Für das Engineering des Anbieters haben wir den Theming-Prozess dokumentiert, sodass das Team eine neue Kundenmarke selbst aufsetzen kann, ohne ein Redesign anzustoßen.



Alle Screens sind aus Vertraulichkeitsgründen unscharf; die Bildunterschriften beschreiben die Designentscheidung, nicht den verdeckten Inhalt.






Was ist das Ergebnis? Die App ging auf iOS und Android live und läuft in Produktion bei Herstellern mehrerer Branchen — und jede neue Kundenmarke ist seither eine Konfigurationsänderung statt eines Redesigns.
| Aspekt | Vorher | Nachher |
|---|---|---|
| Komponente erfassen | Teiledaten von Hand eintippen — langsam und fehleranfällig | QR-Scan am Schaltschrank plus geführte Fotoerfassung pro Ansicht mit Live-Zähler |
| Komponente finden | Kein verlässlicher Ort; Information verstreut und nicht digitalisiert | Navigation entlang der Anlage: Halle → Linie → Schaltschrank → Feld → Komponente |
| Lebenszyklus und Abkündigung | Unbekannt, bis die Störung sie sichtbar macht | Ampel-Status, Abkündigungsdatum und Nachfolger mit Bestand und End-of-Life über dem Falz |
| Arbeiten ohne Netz | Erfassung hängt vom Empfang in der Halle ab | Offline-first: lokal gespeichert, Sync bei Verbindung, Sync-Status an jedem Ordner und Foto |
| Was braucht Aufmerksamkeit? | Suchen statt reparieren | Startseite zeigt registrierte und abgekündigte Teile, bevor der Techniker etwas antippt |
| Neue Kundenmarke | Design pro Marke neu zeichnen oder forken | Einen Modus ergänzen, rund drei Markenfarben setzen, Logo tauschen — der Rest leitet sich ab |
Die App wird in Produktion von Herstellern aus Luftfahrt, Automotive, Stahl, Lebensmittel und Getränke sowie Konsumgütern eingesetzt. Die Kundennamen stehen unter NDA; der Case nennt deshalb nur Sektoren.
Neue Kunden werden durch den Tausch von Tokens onboarded, nicht durch ein Redesign. Das Geschäftsmodell — ein Produkt, viele Marken — trägt, weil das Designsystem dafür gebaut wurde.
Mit QR-Scan und geführter Fotoerfassung registriert ein Techniker vor Ort rund 70 Komponenten pro Stunde (Projektaufzeichnungen). Der Sync-Status an jedem Ordner und Foto hält das System ehrlich darüber, was gesichert ist und was nicht.
Das Team des Anbieters erhielt ein dokumentiertes System, das es pro Kunde neu einfärben kann, ohne Designer einzubinden — samt Theming-Prozess, Token-Struktur und plattformkorrekten Flows für beide Betriebssysteme.
Der entscheidende Nutzungsmoment einer Instandhaltungs-App ist die Störung mit belegten Händen und ohne Netz. Wer diesen Moment zum Prüfstein macht, trifft die richtigen Entscheidungen bei Erfassung, Navigation und Offline-Verhalten fast von selbst. Das gilt genauso für HMI, MES-Terminals und Shopfloor-Software: Der Kaufentscheider sieht die Demo, der Bediener erlebt den Ernstfall.
Wenn die Struktur der App dem physischen Rundgang folgt — Halle, Linie, Schaltschrank, Feld —, braucht der Techniker keine Übersetzung zwischen Bildschirm und Hallenboden. Softwareanbieter übernehmen oft die Struktur ihres Datenmodells in die Oberfläche; für Menschen, die räumlich denken, ist das der teuerste Umweg.
Ein White-Label-Produkt skaliert nur, wenn Komponenten nie auf rohe Farbwerte zeigen, sondern auf semantische Tokens, und diese auf eine Markenschicht mit Modi. Dann ist eine neue Marke eine Konfiguration. Was wir beim nächsten Mal von Anfang an einbauen würden: einen Token-Lint oder Visual-Regression-Check in der CI, damit ein einzelner hart codierter Farbwert keinen Marken-Modus stillschweigend bricht.
Techniker vertrauen einer App erst dann, wenn sie an jedem Objekt sehen, ob es gesichert ist. Ein versteckter Sync erzeugt Doppelerfassungen und Misstrauen. Mit mehr Zeit würden wir die Field-Journey instrumentieren — Zeit bis zur Erfassung, Erfolgsquote von Offline zu Sync — und diese Daten in die Flows zurückspielen.
iOS nach HIG und Android nach Material zu bauen, kostet im Design wenig und spart im Feld viel: Die Bedienmuster entsprechen dem, was der Techniker von seinem Telefon kennt. Offen bleibt die Qualität der Feldfotos, die stark schwankt; eine leichte Aufnahmehilfe im Gerät (Ausrichtung, Blendung) und eine gemessene Wiederholungsquote wären der nächste Schritt.
Wir beginnen beim schlechtesten Moment Ihrer Bediener und bauen von dort aus — field-first und skalierbar über viele Kundenmarken.
Erstgespräch vereinbaren




